Gärtner sind die Gewinner – wie natürliches Licht Melantonin bildet und so unsere Gesundheit schützt

Oct 18, 2025

Gärtner sind die Gewinner – wie natürliches Licht Melantonin bildet und so unsere Gesundheit schützt

Viele kennen Melatonin nur als „Schlafhormon“. Es soll abends müde machen und den Schlaf fördern. Doch neue Forschung von Scott Zimmerman (Lichtforscher und Ingenieur) und Dr. Russell Reiter (Melatonin-Experte und Professor für Zellbiologie) zeigt:

Das Bild ist unvollständig – und teilweise sogar falsch.

Melatonin ist viel mehr als ein Schlafhormon. Es ist eines der wichtigsten Schutzmoleküle unseres Körpers – und es entsteht nicht nur nachts, sondern vor allem tagsüber durch Sonnenlicht.


95 % des Melatonins entstehen am Tag – nicht in der Nacht

Nach den Arbeiten von Zimmerman und Reiter werden etwa 95 % des gesamten Melatonins im Körper tagsüber in den Mitochondrien gebildet – das sind die „Kraftwerke der Zellen“.

Nur 5 % entstehen nachts in der Zirbeldrüse (Pineal Gland) und gelangen von dort ins Blut, um das Gehirn zu schützen.

Das bedeutet:

Unser Körper produziert den Großteil seines Melatonins nicht im Dunkeln, sondern unter dem Einfluss von Sonnenlicht, insbesondere durch den Anteil des nahen Infrarotlichts (NIR).

Diese Erkenntnis stellt vieles auf den Kopf, was bisher über Licht, Schlaf und Gesundheit gelehrt wurde.

Sonnenlicht als Quelle der Zellreparatur

Zimmerman konnte zeigen, dass Nahinfrarot-Licht (NIR) aus dem Sonnenlicht die Melatoninproduktion direkt in den Mitochondrien anregt.

Dieses Melatonin wirkt genau dort, wo viele freie Radikale (Reactive Oxygen Species, ROS) entstehen – also dort, wo Zellen Energie erzeugen.

Freie Radikale sind aggressive Moleküle, die Zellstrukturen angreifen und mitverantwortlich sind für Alterung, Entzündungen und viele Krankheiten.

Melatonin neutralisiert sie – und das besonders effektiv.



Melatonin ist 10 × stärker als Vitamin C

Mehrere Studien (z. B. Reiter et al., Journal of Pharmacy and Pharmacology) zeigen, dass Melatonin ein extrem starkes Antioxidans ist – also ein Stoff, der Zellschäden verhindert.

Im Vergleich zu Vitamin C wirkt es gleich auf mehreren Ebenen:

Mehrfachwirkung: Ein Molekül Melatonin kann bis zu zehn verschiedene ROS neutralisieren.

 Vitamin C schafft meist nur ein oder zwei.


Kaskadeneffekt: Wenn Melatonin ein freies Radikal bindet, entstehen neue, ebenfalls wirksame Moleküle (Metaboliten), die weiterarbeiten.

 Bei Vitamin C ist die Wirkung nach einer Reaktion beendet.


Ort der Wirkung: Melatonin wirkt direkt in den Mitochondrien, also dort, wo der Schaden entsteht.

 Vitamin C zirkuliert eher allgemein im Blut.


Diese Kombination macht Melatonin 5–10 mal effektiver als Vitamin C beim Schutz vor oxidativem Stress.


Warum wir heute zu wenig Melatonin bilden

Früher verbrachten Menschen den Großteil des Tages im Freien.

Dadurch wurden Mitochondrien ständig mit Sonnenlicht – besonders mit NIR – versorgt.

Heute verbringen wir bis zu 90 % unserer Zeit in Innenräumen, unter künstlichem LED-Licht, das fast kein rotes oder infrarotes Licht enthält.

Zimmerman verweist auf eine Studie, die zeigt:

Acht Stunden unter typischem Bürolicht (750 Lux) erzeugen ähnlich viele freie Radikale wie 30 Minuten in intensivem Sonnenlicht – aber ohne den schützenden Effekt des Infrarots.

Das Ergebnis:

Mehr oxidativer Stress, weniger Schutz durch Melatonin – und langfristig mehr Müdigkeit, Hautschäden und Zellalterung.


Die Nachtseite: Melatonin im Gehirn

Das Melatonin, das nachts in der Zirbeldrüse entsteht, hat eine andere Aufgabe:

Es schützt vor allem das Gehirn vor freien Radikalen während des Schlafs.

Doch laut Zimmerman hängt guter Schlaf weniger vom Blaulicht abends ab – sondern von der Menge an Tageslicht, die wir tagsüber bekommen.

Wer tagsüber zu wenig Sonnenlicht aufnimmt, produziert zu wenig Melatonin in den Mitochondrien – und schläft nachts schlechter.

Darum gilt:

Nicht nur weniger künstliches Licht abends, sondern auch mehr echtes Sonnenlicht tagsüber ist entscheidend.


Die natürliche Balance des Lichts

Sonnenlicht enthält ein ausgewogenes Spektrum – von UV bis Infrarot.

UV-Licht kann schädlich sein, doch Infrarotlicht (NIR) schützt die Haut, indem es die Zellen auf oxidativen Stress vorbereitet.

Studien wie Darvin et al. (2010) zeigen, dass NIR die Hautzellen „trainiert“, besser mit UV-Strahlung umzugehen – vergleichbar mit einem natürlichen Lichtschutzfaktor 15.

Sonnenschutzmittel blockieren zwar UV-Strahlen, aber nicht das sichtbare Licht, das ebenfalls freie Radikale erzeugen kann (Liebel et al., 2012).

Das erklärt, warum wir trotz Sonnencreme Hautalterung oder Pigmentflecken bekommen können.

Was man praktisch tun kann

Zimmerman und Reiter betonen:

Ein Melatoninpräparat kann dieses Problem nicht lösen.

Es geht nicht darum, das Molekül einzunehmen – sondern die natürliche Lichtumgebung wiederherzustellen.

Praktische Empfehlungen:

Täglich ins Freie gehen, auch im Schatten – NIR ist auch dort reichlich vorhanden.


Outdoor trainieren, statt unter LED-Licht.


Fenster öffnen statt Glasbarriere: Glas filtert NIR fast vollständig.


Abends echte Dunkelheit zulassen: Kein Licht anmachen, wenn man nachts kurz wach wird.


Tageslichtähnliche Beleuchtung zu Hause nutzen (z. B. Glühbirnen oder NIR-Leuchten).


Zimmerman fasst es humorvoll zusammen:

„Gärtner sind die Gewinner.“

Denn wer draußen lebt, arbeitet oder sich bewegt, stärkt automatisch sein natürliches Reparatursystem.

Fazit: Die moderne Skorbut

Früher war Skorbut eine Folge von Vitamin-C-Mangel.

Heute, so Zimmerman, leiden viele Menschen an Lichtmangel, genauer gesagt an einem Mangel an infrarotem Sonnenlicht.

Melatonin ist nicht das Hormon der Dunkelheit –

es ist das Molekül des Sonnenlichts.

Wenn wir das natürliche Lichtspektrum ignorieren, verliert der Körper seinen eigenen Reparaturcode.

Die Lösung ist einfach – und uralt:

Mehr echtes Licht am Tag, mehr Dunkelheit in der Nacht.